Die Geschichte der Montanindustrie
Wer die Stadt Essen und ihre Geschichte richtig verstehen möchte, muss sich wohl zwangsläufig mit dem Begriff Montanindustrie vertraut machen. Auch wenn gegenwärtig das gesamte Ruhrgebiet im Umbruch ist und der Dienstleistungssektor und neue Technologien Platz greifen, kommt jemand, der sich für unsere Stadt wirklich interessiert, nicht umhin, sich mit ihrem Werdegang zu beschäftigen.
Mit dem Begriff Montanindustrie (mons lat. Der Berg) werden all jene Industriezweige zusammengefasst, welche mit dem Abbau, der Aufbereitung und der Verarbeitung von Bodenschätzen befasst sind. Darunter fallen also der Bergbau und die Schwerindustrie, die die Rohstoffe verarbeitet. Schwerpunkte der Montanindustrie in Deutschland sind der Steinkohlebergbau und die Eisen- und Stahlindustrie. Zentren der Montanindustrie waren und sind noch teilweise heute das Ruhrgebiet, das Saarland und das Aachener Revier.
Dieser Industriezweig kann Erzeugnisse liefern, die handwerklich zu vernünftigen ökonomischen Konditionen nicht herstellbar sind, wie Eisenbahnschienen, Walzbleche und Baustahl. Der Fahrzeugbau ist ebenso essenziell abhängig von Produkten der Montanindustrie. Die klassischen Industriereviere sind geprägt von großflächigen Industrieanlagen, um die Wohngebiete für die Arbeiter gruppiert sind. Elektrostahlwerke führten dazu, dass das Vorhandensein von Kohle oder Koks nicht mehr diesen allein entscheidenden Faktor darstellte.
Bis in die 60 er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein war die Montanindustrie der Motor der deutschen Wirtschaft. Dieser Wirtschaftszweig gab Millionen Menschen Brot und Arbeit. Seit den 70 er Jahren wurde dieser Industriezweig immer wieder von Krisen in Kohle und Stahl geschüttelt und seine Bedeutung für die Volkswirtschaft nahm immer mehr ab. Dies führte zu einem tiefgreifenden Umbruch in der Wirtschaftsstruktur der betroffenen Regionen. Dennoch wird auch noch heute im Ruhrgebiet Stahl produziert. An Stelle von Massenstahl werden jedoch vorwiegend hochwertige Stähle und Edelstahl hergestellt. In Essen waren seit jeher die beiden Stahlkonzerne Thyssen und Krupp ansässig und heute befindet sich hier die Zentrale des fusionierten Großkonzerns ThyssenKrupp.
